Höhenmesser-Grundlagen
QNH, QNE und QFE: drei Höhenbezüge
Ein barometrischer Höhenmesser misst Luftdruck. Erst der eingestellte Bezugsdruck entscheidet, welche Höhe er anzeigt. Der Gleitschirm bleibt am selben Ort – nur die Bedeutung der Zahl ändert sich.
Wo liegt jeweils die Null?
QNH und QFE sind Bezugsdrucke. Bei QNE steht der Höhenmesser auf STD 1013,25 hPa. Alle drei Angaben stammen vom selben Drucksensor, verwenden aber unterschiedliche Höhenbezüge.
Meeresspiegel als Bezug
Lokaler Luftdruck, rechnerisch auf mittleren Meeresspiegel reduziert. Am Start- oder Flugplatz zeigt der Höhenmesser ungefähr dessen veröffentlichte Höhe.
Merksatz: „Wie hoch bin ich über dem Meer?“ – barometrische Altitude über MSL.
Flugplatz als Bezug
Gemessener Druck an einem festgelegten Platzbezug, meist Flugplatz oder Pistenschwelle. Ein Vario kann sinngemäß auch den Startplatz als Nullpunkt verwenden.
Merksatz: „Wie hoch bin ich über diesem Platz?“ – nicht über dem wechselnden Gelände unter mir.
Standarddruck als Bezug
Mit der festen Einstellung STD 1013,25 hPa zeigt der Höhenmesser die QNE-Druckhöhe. Eine Anzeige von 6.500 ft entspricht zum Beispiel FL 65.
Merksatz: „Welche gemeinsame Druckfläche nutze ich?“ – nicht automatisch Höhe über Meer oder Grund.
Gleicher Startplatz, drei Anzeigen
Der Startplatz liegt auf 600 m MSL, das örtliche Flugplatz-QNH beträgt 1000 hPa. Das Instrument steht am Boden; nur die Druckeinstellung wird geändert.
Faustformel für die Änderung der Höhenmesseranzeige. Die exakte ISA-Umrechnung ist leicht höhenabhängig. Die reale Temperatur beeinflusst die Abweichung zwischen angezeigter barometrischer und wahrer geometrischer Höhe.
Warum QNE/STD für vertikale Staffelung wichtig ist
Lokales QNH ändert sich mit Wetter, Zeit und Ort. Oberhalb der Übergangsschicht nutzen deshalb alle STD 1013,25 hPa: FL 70, FL 80 oder FL 90 bezeichnen dann für jedes Luftfahrzeug dieselben standardisierten Druckflächen. Erst diese gemeinsame Skala macht planbare vertikale Abstände möglich.
Steigen: QNH → STD
Bis zur Transition Altitude (TA) gilt QNH und die Angabe als Altitude. Beim Durchsteigen der TA auf 1013,25 hPa wechseln; danach wird als Flight Level geflogen.
Die Übergangsschicht
Sie liegt zwischen TA und Transition Level (TL), dem niedrigsten nutzbaren Flight Level. Das TL richtet sich nach dem aktuellen QNH. Im EU-Verfahren bleiben zwischen Verkehr auf TA und TL mindestens nominell 1.000 ft.
Sinken: STD → QNH
Bis zum TL gilt Standarddruck und die Angabe als Flight Level. Beim Durchsinken des TL auf das aktuelle QNH wechseln; darunter wird als Altitude geflogen.
Die veröffentlichten Übergangshöhen und örtlichen Verfahren unterscheiden sich. Maßgeblich sind aktuelle Luftfahrtkarte, AIP und Freigaben.
Was steht in der IGC-Datei?
Ein IGC-B-Record besitzt getrennte Felder für GNSS-Höhe und ICAO-ISA-Druckhöhe. Nach FAI-Spezifikation bleibt die Druckhöhe jedes Fixes auf 1013,25 hPa bezogen – selbst wenn das Cockpit-Vario QNH anzeigt oder eine andere Höhenmessereinstellung zusätzlich protokolliert wird.
Ein fester Rohbezug
QNH ändert sich laufend. Der feste ISA-Bezug macht Druckhöhen aus verschiedenen Orten und Zeiten nominal vergleichbar und kalibrierbar.
Unabhängig vom Display
Die Einstellung am Vario kann die Anzeige ändern. Sie darf die für jeden Fix geloggte Standard-Druckhöhe aber nicht verändern.
Später nachvollziehbar
Aus dem unveränderten Messbezug kann eine Auswertung später mit zeitlich und räumlich passenden Wetterdaten eine QNH-Linie modellieren.
Warum sind GPS- und QNH-Linie nicht immer gleich?
GNSS und Drucksensor messen auf unterschiedliche Weise und haben unterschiedliche Bezüge. Dazu kommen Sensoroffset, Wettermodell, Temperatur und bei GNSS der Höhenbezug. Kleine bis deutliche Abweichungen sind daher möglich, ohne dass eine der beiden Linien einfach „falsch“ sein muss.
Welche Einstellung passt zu welcher Angabe?
Entscheidend ist die Bezeichnung der Höhengrenze. Die tatsächlichen nationalen Verfahren und veröffentlichten Luftfahrtinformationen gehen immer vor.
AMSL / MSL → QNH
Für Höhen über mittlerem Meeresspiegel sowie entsprechend veröffentlichte Gelände- und Luftraumangaben.
Über Platz → QFE
Wenn ausdrücklich die Höhe über dem Flugplatz- oder Schwellenbezug gefragt ist. QFE ist nicht die laufende Höhe über Grund.
FL → QNE / STD
Für Flight Levels mit Standarddruck 1013,25 hPa, üblicherweise oberhalb des Transition Levels.
Ist eine QNH-Höhe die wahre geometrische Höhe?
Nicht exakt. Druckhöhenmesser rechnen mit einer Standardatmosphäre. In Luft, die kälter als die ISA ist, liegt die wahre Höhe über dem QNH-Bezug in der Regel unter der angezeigten Höhe. QNH liefert die gemeinsame barometrische MSL-Referenz, beseitigt aber keine Temperatur-, Instrument- oder Wettermodellfehler.
Quellen und Vertiefung
- FAI: IGC Flight Recorder Technical Specification – Vorgaben zur geloggten Druckhöhe und zur ISA-Referenz 1013,25 hPa.
- EASA SERA.8015 – Altitudes, Flight Levels, QNH/QFE und der Wechsel in der Übergangsschicht.
- EASA ATS.TR.130 – Festlegung des Transition Levels und nominelle vertikale Staffelung.
Dieser Guide erklärt die Darstellung und Nachanalyse. Er ersetzt keine Flugvorbereitung, AIP, NOTAM, Wetterberatung oder verbindliche Höhenmessereinstellung.
